Kopenhagen

Hauptstadt von Dänemark

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Ko|pen|ha|gen:
Hauptstadt Dänemarks.

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Kopenhagen,
 
dänisch København [købən'haʊn], Hauptstadt Dänemarks und der Amtskommune Kopenhagen, im Osten der Insel Seeland und auf Amager, am Øresund, zusammen mit der weitgehend integrierten, aber verwaltungsmäßig eigenständigen Enklave Frederiksberg und der nördlichen Nachbarstadt Gentofte (1995) 607 300 Einwohner (1970: 803 000 Einwohner; eigentlich Stadt 1995: 476 900 Einwohner). Die Agglomeration (1995: 1,4 Mio. Einwohner) umfasst 19 Umlandgemeinden, darunter Gladsakse, Lyngby-Tårbæk, Hvidovre, Ballerup, Tårnby, Tåstrup. Die 1971 auf einem ehemaligen Kasernengelände im Stadtteil Christianshavn, von jungen Dänen als »soziales Experiment« gegründete »Freistadt Christiania« erhielt 1986 von der Regierung einen begrenzten legalen Status.
 
Kopenhagen ist Mittelpunkt der Verwaltung, des geistigen und kulturellen Lebens und der Wirtschaft Dänemarks. Es ist königliche Residenz, Sitz des Folketing (Parlament) und der Regierung, des Obersten Gerichtshofes, des See- und Handelsgerichtes, der Provinzialhandelskammer, des Industrie-, Handwerks-, Gewerbe- und Landwirtschaftsrats und der Nationalbank; Europäische Umweltamt; evangelisch-lutherischer und katholischer Bischofssitz. Kopenhagen besitzt zahlreiche führende Einrichtungen von Bildung, Wissenschaft und Kultur: Akademie der Wissenschaften, Universität (gegründet 1479), TH, Ingenieurakademie, Veterinär- und Landwirtschaftshochschule, zahnärztliche, pharmazeutische, Handelshochschule, königliche Akademie der schönen Künste, königliches Konservatorium, Opernakademie, Lehrerhochschule, viele Fachschulen; Nationalbibliothek, Königliches Theater, mehrere Privattheater, zahlreiche Museen. Weltbekannt ist das Tivoli (eröffnet 1843), der größte Vergnügungspark Nordeuropas, am alten Wall.
 
In Kopenhagen sind rd. 40 % der dänischen Industrie konzentriert, v. a. Eisen- und Metall- (u. a. Motorenbau, Kabelwerke), Textil- und Bekleidungs-, chemische, Nahrungsmittelindustrie (darunter zwei Brauereien von Weltruf), ferner grafisches, Papier-, Porzellanindustrie. Vom Hafen, dem bedeutendsten Dänemarks (einziger dänischer Freihafen; Umschlag 1994: 6,2 Mio. t), gibt es auch Fährverbindungen u. a. nach Swinemünde (Polen) und Bornholm. Der Flughafen von Kopenhagen (1924 eröffnet; 1995: 14,2 Mio. Passagiere) liegt in Kastrup auf Amager. 2000 erfolgte die Inbetriebnahme einer festen Verbindung (Brücke, Tunnel) für Eisenbahn und Kraftfahrzeuge über den Öresund nach Malmö (Schweden).
 
 
In der Altstadt nordwestlich der Schlossinsel ist der Straßenverlauf des 12. Jahrhunderts weitgehend erhalten. Hier liegt die ursprünglich älteste Kirche der Stadt, die Frauenkirche (Vor Frue Kirke, Dom), die nach Bränden mehrfach erneuert wurde, zuletzt 1811-29 als klassizistischen Bau von C. F. Hansen. Neben der Kirche steht die Universität (1831-36), für deren Vorhalle C. C. Hansen 1844-53 Fresken schuf. Trinitatis Kirke (1656 geweiht) und »Runder Turm« (1642, früher mit Observatorium) bilden einen Gebäudekomplex, der symbolisch Religion und exakte Wissenschaft verbinden sollte. Das klassizistische Domhus (1815, seit 1903 Gerichtsgebäude) am Nytorv im Zentrum der Altstadt ist ein Werk von C. F. Hansen. Auf der Schlossinsel wurde 1733 ff. auf Resten der mittelalterlichen Burg des Bischofs Absalon Schloss Christiansborg errichtet (mehrmals abgebrannt, zuletzt 1907-28 erneuert), das Sitz der Regierung und des Parlaments ist; es beherbergt die königlichen Audienzräume, außerdem das Außenministerium und den Obersten Gerichtshof. Auf der Insel liegen ferner Schlosskirche (1826), Hoftheater (1766, Museum), Zeughaus (1598-1604, Museum), Börse im niederländischen Renaissancestil (1619-40) und Thorvaldsen-Museum (1839-48, nach Plänen von G. Bindesbøll) mit dem Gesamtwerk des Bildhauers. Gegenüber der Schlossinsel liegt der Stadtteil Christianshavn auf der Nordspitze der Insel Amager mit Erlöserkirche (Vor Frelsers Kirke, 1682-96), Turm mit äußerer Spiralrampe (1747-52); Hochaltar von N. Tessin dem Jüngeren (1695). Nördlich der Schlossinsel befinden sich Holmens Kirke (1619 unter Verwendung eines Prachtgiebels von 1562/63 erbaut) und Nationalbank (1965-78 von A. Jacobsen). Am Kongens Nytorv liegen das Königliche Theater (1872-74), Schloss Charlottenborg (1672-83, seit 1754 Kunstakademie) und ein Wohnhaus des Hofbaumeisters C. F. Harsdorff (1779/80), der damit ein lange Zeit in Dänemark vorbildliches Bürgerhaus schuf. Nach Norden schließen sich an: die planmäßig angelegten Stadtteile Neu-Kopenhagen (17. Jahrhundert) mit Schloss Rosenborg (1608-34 als Lustschloss errichtet, heute Museum) und Frederiksstad (18. Jahrhundert) mit königlicher Residenz Amalienborg (ursprünglich 1667-73; neu errichtet 1754 ff. als eine aus vier Palästen bestehende achteckige Platzanlage von N. Eigtved), den im Süden die Kolonnade (1795) von Harsdorff abschließt. Als West-Abschluss der Achse durch den Amalienborgplatz wurde 1749 der Bau der Marmorkirche (Frederiks Kirke) begonnen (erst 1894 im Stil des römischen Barock vollendet). Auf einem Felsen am Hafen an der »Langelinie«, vor der Festung (Kastellet, 17. Jahrhundert), sitzt die »Kleine Meerjungfrau« (1913) von E. Eriksen. - Im neuen Zentrum südlich der Altstadt entstand 1892-1905 das Rathaus, das als nationale Architektur gegen den vorherrschenden deutschen Einfluss verstanden wurde; unweit davon das Nationalmuseum (1743-44; 1989-92 modernisiert und erweitert) und die Ny Carlsberg Glyptotek (1892-97, 1901-06 erweitert; Erweiterungsbau von H. Larsen, 1996); gegenüber dem Hauptbahnhof (1904-11) das SAS-Gebäude (1956-60) von A. Jacobsen. - In Frederiksberg Schloss (1699-1703 als Lustschloss erbaut, später erweitert und Schlosskirche (1710 geweiht).
 
Moderne Kirchen sind die Bethlehemskirche (1935-37) von K. Klint und die Grundtvigs Kirke (1921 ff.) von P. V. Jensen-Klint sowie die Bagsværd Kirke (1974-76) von J. Utzon. Weitere architektonisch wichtige öffentliche Gebäude sind das von H. Kampmann 1918-24 errichtete Polizeipräsidium, das Rundfunkgebäude (Radiohuset, 1937-45) von V. Lauritsen und das 18-stöckige Codan-Haus (1961) von O. Hagen. In den Außenbezirken entstanden zahlreiche Wohnsiedlungen, u. a. von A. Jacobsen: Ved Bellevue Bugt, 1930-35; Bellavista, 1933-34; Søholm, 1950-55. O. Birch schuf 1976 die Siedlung Hyldespjældet und J. Sørensen 1977-80 die Siedlung Solbjerg Have.
 
Mit der Ernennung zur »Kulturstadt Europas 1996« kamen zahlreiche städtebauliche Projekte zur Ausführung. Neben der Neugestaltung von innerstädtischen Bereichen (Rathausplatz), Neu- und Erweiterungsbauten (u. a. Haus des Landesverbandes dänischer Architekten von Nielsen, Nielsen & Nielsen, 1996 eröffnet) richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf behutsames Sanieren, Restaurieren und Ergänzen (u. a. Quartier Vesterbro in der Nähe des Hauptbahnhofs). Besonders bemerkenswert ist der Neubau des Museums für moderne Kunst (»Arken«) in Ishøj bei Kopenhagen, der von Søren Robert Lund errichtet wurde und in seiner extravaganten Architektur der Form eines Schiffes folgt (1996 eröffnet).
 
 
Zwischen 1158 und 1167 schenkte König Waldemar I. die 1026 erstmals ohne Namen erwähnte Ortschaft Havn Bischof Absalon von Roskilde. Der Hafenort mit seiner schützenden Burg entwickelte sich schnell und erhielt 1254 Stadtrecht. Im Krieg mit der Hanse (1362-68) wurde das aufstrebende Köbmandshavn (Portus Mercatorum) in seiner Entwicklung gehemmt. 1416 kam Kopenhagen aus bischöflichem Besitz an König Erich VII., unter dem es zur Hauptstadt der seit 1397 vereinigten drei nordischen Reiche wurde. König Christoph III. verlegte 1443 die königliche Residenz von Roskilde nach Kopenhagen, als erster dänischer König wurde 1448 Christian I. hier gekrönt. 1536 schloss sich Kopenhagen der Reformation an. Nachhaltig förderte Christian IV. die Entwicklung Kopenhagens. Er ließ u. a. den Kriegshafen anlegen und die Befestigungen verstärken. Im 18. Jahrhundert wurde die Porzellanindustrie in Kopenhagen heimisch. Brände vernichteten 1728 und 1795 weite Teile der Stadt, die sich 1801 gegen einen Angriff der englischen Flotte unter H. Parker und H. Nelson verteidigte (»Schlacht auf der Reede«). Starke Zerstörungen rief 1807 die Beschießung der Stadt durch britische Kriegsschiffe hervor. 1857 erhielt Kopenhagen ein umfassendes Selbstverwaltungsstatut; 1894 wurde der Freihafen eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs stand Kopenhagen 1940-45 unter deutscher Besetzung.
 
 
J. Fleischer: K. Kulturhistor. Führer (1987).
 

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Ko|pen|ha|gen: Hauptstadt Dänemarks.

Universal-Lexikon. 2012.

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